Definition des Akuten Leberversagens

Das akute Leberversagen (ALV) ist ein seltenes, jedoch hochgradig lebensbedrohliches Krankheitsbild, das durch akute Leberinsuffizienz (Ikterus, Koagulopathie) und hepatische Enzephalopathie bei zuvor gesunden Patienten gekennzeichnet ist.

Die Ursachen für ein ALV sind vielfältig. Als häufigste Ursachen, abhängig von der geographischen Lage, gelten Hepatitisviren und Medikamenten-Toxizität, insbesondere Paracetamol-Intoxikation. Beim ALV kommt es zu massivem Leberzelluntergang durch Nekrose oder den programmierten Zelltod (Apoptose), welche zu ausgedehnter Leberschädigung und somit zur Einschränkung der Leberfunktion führen.

Die häufigsten Ursachen in Deutschland sind virale Hepatitiden und Medikamententoxizität. In Großbritannien und in den USA ist die Medikamententoxizität (insbesondere durch Paracetamol) die führende Ursache;

Zur Diagnose des ALVs wird neben dem Versagen von Teilfunktionen der Leber (Exkretion: Hyperbilirubinämie; Synthese: Gerinnungstörungen) das Vorliegen extrahepatischer Komplikationen (hepatische Enzephalopathie [HE], Nierenversagen, Kreislaufversagen, Infektionen, Hirnödem) ohne vorbestehende Lebererkrankung/-schädigung herangezogen/vorausgesetzt. Zusätzlich zu dem Zeitintervall zwischen dem Auftreten von Ikterus und Enzephalopathie sind für die Prognose auch die zugrunde liegende Ätiologie und das Alter des Patienten von größter Wichtigkeit.

Von hyperakutem bzw. fulminantem Leberversagen spricht man, wenn sich die hepatische Enzephalopathie (HE) innerhalb von 7 Tagen nach Beginn eines Ikterus entwickelt. Demgegenüber ist des akute Leberversagen durch das Auftreten einer HE innerhalb von 8-28 Tagen nach Beginn des Ikterus definiert. Als subakut wird ein Leberversagen bezeichnet, bei dem sich die HE erstmals 5-12 Wochen nach Beginn des Ikterus manifestiert.

Die Indikation zur Lebertransplantation ist gegeben, wenn die Wahrscheinlichkeit des Spontanüberlebens unter 20% liegt. Aktuelle gelten für die Indikationsstellung zur dringlichen Lebertransplantation die Kriterien der Arbeitsgruppen in Clichy (F) und des King`s College in London (GB) dar. Jedoch sind diese Kriterien noch relativ ungenau. Eine Ergänzung um zusätzliche Parameter wie z.B. Apoptose oder Nekrose-Marker als Bemessungsgrundlage für den Grad der Leberschädigung würde diese Kriterien sinnvoll ergänzen und eine bessere Risikoabschätzung erlauben. Grundsätzlich sollte jede Chance zu einer Erholung der Leberfunktion ohne Transplantation genutzt werden, da nicht nur ein hohes Operationsrisiko gegeben ist, sondern unter Langzeitimmunsuppression auch Komplikationen (Hypertonie, Niereninsuffizienz, Tumoren, Gallengangsveränderungen) mit bedacht werden müssen.

http://akutesleberversagen.de/uploads/images/content/mgn_liver.jpg